Änderungen in Förderprogrammen des Bundes ab 01.01.2020

Nach der Veröffentlichung der Rahmenbedingungen des steuerlichen Bonus für Sanierungsmaßnahmen haben nun kurz vor dem Jahreswechsel auch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) umfassende Änderungen an den wichtigsten Förderprogrammen für energetische Maßnahmen im Gebäudesegment bekanntgegeben. Betroffen sind das Marktanreizprogramm (MAP – Heizen mit erneuerbaren Energien) des BAFA und die Förderprogramme zum energetischen Bauen und Sanieren der KfW (Programme 151/152/153/430/167) hinsichtlich des Einbaus und der Förderung von Heizungsanlagen.

Auf den ersten Blick wurden die Programme neu geordnet und übersichtlicher gestaltet. Eine pauschale Aussage, welches Programm die höchste Fördersumme ausschöpfen kann und für eine geplante Heizungsanlage am besten geeignet ist, lässt sich aber trotzdem nicht treffen. Einzig der neue steuerliche Bonus für energetische Sanierungsmaßnahmen im Rahmen einer Einkommenssteuer-Ermäßigung über drei Jahre erscheint bei genauerer Betrachtung gegenüber den aktualisierten BAFA- und KfW-Programmen weniger attraktiv. Die Auswahl des optimalen Förderprogramms, gegebenenfalls auch einer Kombination verschiedener Programme, sollte immer noch anhand des konkreten Einzelfalls geklärt werden.

Obwohl die Investitionskosten für eine Heizungsanlage auf Basis erneuerbarer Energien unter Abzug der neu bekannt gegebenen Zuschüsse ab Januar 2020 immer noch über den Kosten eines reinen Kesseltauschs ohne Energieträgerwechsel liegen, wird ein Umstieg bei der Betrachtung des konkreten Einzelfalls damit jedoch deutlich wirtschaftlicher. Insbesondere für den Austausch von Öl-Heizungen in bestehenden Gebäuden werden attraktive Förderprämien gewährt, so dass sich eine genauere Betrachtung der Anlage auch ohne konkrete Wechselpläne lohnt.

Vor der Modernisierung der Heizungsanlage empfiehlt sich eine genauere Untersuchung des gesamten Gebäudes. Dies und die Konzeption der passenden Anlagentechnik kann beispielsweise im Rahmen einer ebenfalls BAFA-geförderten Vor-Ort-Energieberatung erfolgen. Dabei kann auch die viel zitierte „Wärmepumpentauglichkeit“ des Gebäudes festgestellt oder Maßnahmen zur Erreichung dieser festgelegt werden.

Die wichtigsten Änderungen in den Förderbedingungen für den Neubau von Wohngebäuden im Überblick:

  • Heizungsanlagen auf Basis des Energieträgers (Erd-)Öl werden nicht mehr gefördert und können auch in der KfW-Effizienzgebäudebilanzierung nicht mehr berücksichtigt werden.
  • Heizungsanlagen auf Basis des Energieträgers (Erd-)Gas werden nicht mehr gefördert, aber können in der KfW-Effizienzgebäudebilanzierung noch berücksichtigt werden.

Die wichtigsten Änderungen in den Förderbedingungen für die Modernisierung von bestehenden Wohngebäuden im Überblick:

  • Heizungsförderung für Einzelmaßnahmen wird komplett vom BAFA übernommen, KfW Heizungs- und Lüftungspaket entfallen
  • Heizungsanlagen auf Basis des Energieträgers (Erd-)Öl werden nicht mehr gefördert, aber können noch in der KfW-Effizienzgebäudebilanzierung berücksichtigt werden (Kosten dafür nicht mehr ansetzbar).
  • Heizungsanlagen auf Basis des Energieträgers (Erd-)Gas sind nur noch in Hybridanlagen mit einem Anteil erneuerbarer Energien (Biomasse, Solar, Wärmepumpe) förderfähig, aber können in der KfW-Effizienzgebäudebilanzierung (auch ohne vorgeschriebenen EE-Anteil) noch berücksichtigt werden.
  • Förderprämie für den Austausch von Öl-Heizungen im BAFA MAP – Heizen mit erneuerbaren Energien (Zuschuss bis zu 45% der förderfähigen Kosten)

Aktualisierung am 10.01.2020:
Die KfW hat nun auch die mit dem Klimaschutzprogramm geplante Erhöhung der Fördersätze in den EBS-Programmen bekannt gegeben. Die Tilgungs- und Investitionszuschüsse wurden deutlich erhöht, teilweise sogar verdoppelt. Ab dem 24.01.2020 können Anträge für Projekte, die noch nicht begonnen wurden, davon profitieren.

Die wichtigsten Änderungen in den Förderkonditionen der KfW-Programme zum energetischen Bauen und Sanieren [alle gültig ab 24.01.2020]:

  • Verbesserte Förderkonditionen im KfW-Programm 153 (Kauf oder Neubau eines KfW-Effizienzhauses): Erhöhung der Tilgungszuschüsse um 10% und Erhöhung des maximalen Kreditbetrags um 20.000€
  • Verbesserte Förderkonditionen im KfW-Programm 151 (Kredit für Sanierung zum KfW-Effizienzhaus): Erhöhung der Tilgungszuschüsse um 12,5% und Erhöhung des maximalen Kreditbetrags um 20.000€
  • Verbesserte Förderkonditionen im KfW-Programm 152 (Kredit für einzelne Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle/Lüftung): Erhöhung der Tilgungszuschüsse um 12,5%
  • Verbesserte Förderkonditionen im KfW-Programm 430 (Zuschuss für einzelne Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle/Lüftung oder Sanierung zum KfW-Effizienzhaus): Erhöhung der Tilgungszuschüsse um 10% und Erhöhung der förderfähigen Investitionskosten bei der Sanierung zum Effizienzhaus um 20.000€

Quellen:
BAFA MAP Heizen mit erneuerbaren Energien – Änderungen ab 2020 (Link)
KfW Energieeffizient Bauen und Sanieren – Änderungen ab 2020 (Link)

Fördermöglichkeiten für neue und bestehende Wohngebäude ab 2020

Aus den bisher bekannten Informationen (Stand 31.12.2019 Stand 10.01.2020) zur Neustrukturierung der Förderung für energieeffiziente Gebäude ergeben sich zusammengefasst und getrennt nach den Programmen ab 01.01.2020 folgende Fördermöglichkeiten:

KfW-Programme

  • Neubau von Wohngebäuden:
    Vergünstigtes KfW-Darlehen mit Tilgungszuschuss entsprechend dem erreichten KfW-Effizienzgebäudestandard (KfW 55, KfW 40, KfW 40+) im Rahmen der gewählten Bau-, Gebäude-, Lüftungs- und Heizungstechnik – bis zu 15.000€ (ab 24.01.2020: bis zu 30.000€) Tilgungszuschuss je Wohneinheit
  • Modernisierung von bestehenden Wohngebäuden:
    Vergünstigtes KfW-Darlehen mit Tilgungszuschuss oder ein direkt ausgezahlter Investitionszuschuss für eine Sanierung des Gebäudes gemäß den technischen Vorgaben der KfW in Einzelmaßnahmen (Dämmung der Gebäudehülle, Tür-/Fenstertausch, Heizungsoptimierung oder Einbau einer Lüftungsanlage) oder zum Erreichen eines KfW-Effizienzgebäudestandards (KfW Denkmal, KfW 115, KfW 100, KfW 85, KfW 70, KfW 55; alle Maßnahmen ohne Öl-Heizung) – bis zu 27.500€ (ab 24.01.2020: bis zu 48.000€) Tilgungszuschuss oder bis zu 30.000€ (ab 24.01.2020: bis zu 48.000€) Investitionszuschuss je Wohneinheit

BAFA Marktanreizprogramm – Heizen mit erneuerbaren Energien

  • Einbau der Heizungsanlage in neue Wohngebäuden:
    Investitionszuschuss in Höhe von 30% (Solarkollektoranlage) oder 35% (Biomasse, Wärmepumpe, EE-Hybrid) der förderfähigen Kosten (inkludiert notwendige Maßnahmen im unmittelbaren Zusammenhang, bspw. die Anschaffung und Installation von Pufferspeichern, die Erstellung einer Erdwärmequelle für Wärmepumpen und Planungs-/Baubegleitungsleistungen) – bis zu 17.500€ Investitionszuschuss
  • Modernisierung der Heizungsanlage von bestehenden Wohngebäuden:
    Investitionszuschuss für Heizungsanlage in Höhe von 30% (Solarkollektoranlage, Gas-Hybrid) oder 35% (Biomasse, Wärmepumpe, EE-Hybrid) der förderfähigen Kosten (inkludiert notwendige Maßnahmen im unmittelbaren Zusammenhang, bspw. die Anschaffung und Installation von Pufferspeichern, die Erstellung einer Erdwärmequelle für Wärmepumpen und Planungs-/Baubegleitungsleistungen) und 10%iger Bonus auf den Fördersatz, wenn mit der geförderten Anlage eine Öl-Heizung ersetzt wird – bis zu 22.500€ Investitionszuschuss

Steuerbonus für energetische Sanierungsmaßnahmen über Einkommenssteuer §35c

  • Modernisierung von bestehenden Wohngebäuden:
    Ermäßigung der Einkommenssteuer um einen 20%igen Anteil der Kosten von energetischen Sanierungsmaßnahmen (unter Berücksichtigung der Anforderungen nach der Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (Link)) verteilt über drei Jahre; nicht mit anderen Förderprogrammen des Bundes für energetische Sanierungsmaßnahmen kombinierbar – individuelle Steuerersparnis entsprechend des eigenen Einkommens

Förderprogramme von Ländern und Kommunen

Neben den Förderprogrammen des Bundes (KfW und BAFA) sollte auch geprüft werden, ob Land, Stadt oder Gemeinde den Neubau oder die Modernisierung energieeffzienter Gebäude unterstützt. Dabei können sich je nach Standort des Gebäudes interessante Zuschüsse ergeben, die keine oder nur geringe Mehraufwände zur Erfüllung lokaler Sonderanforderungen bedürfen und häufig mit den Förderprogrammen des Bundes kumulierbar sind.

Fördermöglichkeiten für kompetente Fachplanung und Baubegleitung

In den Förderprogrammen des Bundes werden auch die Fachplanungs- und Baubegleitungsleistungen eines Experten für Energieeffizienz berücksichtigt. Im BAFA MAP können die Kosten für die Planung und Baubegleitung einer geförderten Heizungsanlage in den förderfähigen Kosten berücksichtigt werden und werden daher mit dem entsprechenden Fördersatz der Heizungsanlage (also mit bis zu 45% der förderfähigen Kosten) bezuschusst. In Verbindung mit den KfW-Programmen zum energieeffizienten Bauen und Sanieren gibt es weiterhin die Möglichkeit, die Kosten des Energieeffizienzexperten zusätzlich im KfW-Baubegleitungsprogramm (Programm 431) mit 50% der angefallenen Kosten bzw. einem maximalen Zuschuss von 4.000€ fördern zu lassen.

Die Planungs- und Baubegleitungsleistungen eines Experten werden damit vom Bund attraktiv bezuschusst, um die Qualität der Planung und Ausführung der immer komplexeren Gebäude- und Anlagentechnik sicherzustellen. Für den Bauherren ergeben sich aufgrund der hohen Fördersätze, insbesondere im KfW-Baubegleitungsprogramm 431, nur geringe Mehraufwendungen, die eine wirtschaftlich unabhängige Arbeit des Energie-Effizienzexperten im Interesse des Bauherren garantieren.

An dieser Stelle wünsche ich allen Lesern und Besuchern einen sicheren und guten Start in das neue Jahr!